Charlottenhall - Aktuell

Beschulung während der Reha? Keine Angst Eltern!

 

Florian Fuckel ist bereits seit 2007 in Charlottenhall tätig. Seit 2015 leitet der Dipl. Sozialpädagoge den Bereich Klinikschule. Er möchte den Eltern ein Stück ihrer Sorgen nehmen, dass ihre Kinder während der mehrwöchigen Reha-Maßnahme zu viel verpassen und in der Schule im Anschluss nicht mehr mitkommen.

Angst der Eltern vor Rückkehr ihrer Kinder in den Schulalltag unbegründet

Klinikschul-Leiter Florian Fuckel im Interview

Viele Eltern beschäftigt vor dem Antritt einer längerfristigen Reha-Maßnahme ihres Kindes vor allem eine Frage: „Wie soll das bloß mit der Schule werden? Wird mein Kind nach den sechs Wochen im Unterricht eigentlich noch mitkommen?“ Andere Eltern quält die Frage „Wird mein Kind überhaupt in seine Schule zurückgehen können?“, wenn dort zum Beispiel ein Fall schweren Mobbings vorliegt. Klinikschul-Leiter Florian Fuckel erklärt in einem ausführlichen Interview alle wichtigen Fragen der Eltern rund um das Thema „Beschulung während der Reha in Charlottenhall“

 


 

Beschreiben Sie uns bitte das Aufgabenfeld ihres Teams der Klinikschule in Charlottenhall.

Florian Fuckel: „In unserer Klinik gibt es für die Patienten in der Zeit, die sie bei uns sind, die Möglichkeit der Beschulung in unserer Klinik-Schule. Und von dieser Schule bin ich der Leiter. Zusätzlich zu dieser Leitungsaufgabe biete ich Bewerbungstrainings und Beratungen zur schulischen Laufbahn für die Patienten an, denn es geht bei dieser Reha auch darum, nach der Reha-Maßnahme wieder eine Teilhabe am Leben herzustellen, sie zu verbessern. Und darauf müssen die Patienten bestmöglich vorbereitet werden.

Ich überlege dabei gemeinsam mit den Patienten, wie es nach der Reha beruflich bzw. schulisch weitergehen soll. Wäre eventuell ein Schulwechsel zu empfehlen? Was passiert, wenn ich nach so langer Zeit den ersten Tag wieder zurück in meine Schule komme? Dann gibt es auch Patienten, die vor der Reha längere Zeit gar keine Schule besucht haben und hier begleite ich die Patienten bei ihrem Weg zurück ins Schulleben. Das ist im Prinzip der Bereich Krisenintervention und Beratung, den wir in Charlottenhall im pädagogischen Bereich auch mit abdecken. Wir ermitteln in unserem Team den individuellen Förderbedarf der Patienten und vermitteln mit den Heimatschulen, wenn es dort Probleme gibt. Es ist also ein sehr breites Tätigkeitfeld.“

 

Wie muss ich mir das als Elternteil vorstellen, wenn mein schulpflichtiges Kind für sechs Wochen nach Charlottenhall zur Reha kommt?

Florian Fuckel: „Kommen die Kinder mit Begleitpersonen, dann haben die Eltern mit mir immer ein Einzelgespräch. Den Eltern, die mit ihren Kindern hier ankommen, gehen meist tausend Fragen durch den Kopf. Und in unserem Gespräch erhalten sie von mir alle wichtigen Informationen, wie es für ihre Kinder schulisch während der Reha weitergeht. Wir gehen dabei auch auf die Fragen ein: Gibt es speziellen Förderbedarf? Gibt es Auffälligkeiten im Sozialverhalten? Was ist den Eltern wichtig? Man darf nicht vergessen, die Beschulung ist für die Eltern einer der wichtigsten Aspekte bei der Reha ihrer Kinder. Wir wollen den Eltern vermitteln, dass die Reha natürlich im Vordergrund steht, aber die Schule trotzdem nicht vernachlässigt wird.“

 

Wie viele Mitarbeiter sind in Charlottenhall im Schulbereich tätig?

Florian Fuckel: „Es werden, je nach Belegung der Klinik, bis zu zehn Lehrkräfte eingesetzt, wobei sechs Lehrkräfte permanent in der Klinikschule die Schüler betreuen.“

 

Wie kann man sich einen solchen Reha-begleitenden Unterricht vorstellen?

Florian Fuckel: „Wenn die Eltern die Reha-Unterlagen vorab von unserer Klinik zugeschickt bekommen, dann liegen diesen von der Klinikschule zwei Schreiben bei. Bei dem ersten Schreiben handelt es sich um eine Einverständniserklärung, dass wir von der Klinikschule mit den Lehrern der Heimatschule Kontakt aufnehmen können. Das zweite Schreiben umfasst für den Klassenlehrer eine Erklärung zu der Frage: Was ist Klinikschule und was ist wichtig für uns? Auf der Rückseite muss dann der Lehrer genau ausfüllen, welche Seiten in Büchern und Arbeitsheften von den Kindern während der Reha zu bearbeiten sind, damit der Schüler nach der Reha bestmöglich in den Unterricht zurückkehren kann.

Den Unterricht muss man sich wie eine Art Tutorium vorstellen. Jeder arbeitet in der Klasse individuell an seinen Aufgaben und der Lehrer ist für die Kinder da, wenn Sie Fragen haben oder Hilfestellungen brauchen, er gibt Lösungsvorschläge, korrigiert. Die Klassen sind hier relativ klein – je nach Indikation sind es mindestens fünf bis sechs Patienten und maximal 12 bis 13 Patienten. Es finden pro Woche 8 bis 10 Unterrichtsstunden in den Hauptfächern statt.“

 

Seit wann sind Sie bei Charlottenhall tätig und welchen Beruf haben Sie gelernt?

Florian Fuckel: „Ich bin seit 2007 im Unternehmen und habe schon verschiedene Tätigkeiten begleitet, u.a. war ich als Erzieher tätig. Dann habe ich ein Duales Studium im Fach Soziale Arbeit und Soziale Pädagogik mit Fachrichtung Rehabilitation absolviert und arbeite nun seit 2015 als Bereichsleiter Klinikschule.

 

Die Pädagogische Leitung unserer Klinik ist stets sehr bestrebt, dass sich die Mitarbeiter weiterbilden. Das fördert sie entsprechend. Wenn hier in Charlottenhall ein Mitarbeiter mit der Idee zur Klinikleitung kommt und sagt: „Ich möchte mich gerne weiterbilden, dann sind sie immer offen und interessiert. Eigenengagement ist in Charlottenhall immer gerne gesehen. Für mich war die Entscheidung beruflich noch einmal „anzugreifen“ dadurch deutlich einfacher.

Für mich waren die Vorteile des Dualen Studiums: Ich konnte weiter in Charlottenhall arbeiten und Geld verdienen. Die Studienphasen untergliederten sich immer in drei Monate Praxisphase, drei Monate Duale Hochschule im Wechsel. Eine solche Praxisnähe hat man im normalen Studium nicht. Weiterer Vorteil: Ich wusste hier bei Charlottenhall, woran ich bin. Ich wusste, dass ich einen guten Praxisanleiter habe und wusste, dass ich nach dem Studium hier eine Zukunft habe.“

 

Was sind die besonderen Herausforderungen in Ihrer täglichen Arbeit?

Florian Fuckel: „Die besondere Herausforderung bei unserer Arbeit besteht darin, zu vermitteln. Für jeden pädagogischen Bereich gibt es in Charlottenhall einen Bereichsleiter. Für mich ist als Bereichsleiter die zentrale Aufgabe, dass der Patient bzw. für mich der Schüler während seiner Reha bestmöglich betreut ist. Und das funktioniert einfach am besten, wenn die Mitarbeiter miteinander sprechen. Das A und O ist die Organisation, je besser diese ist, je eher sind die Patienten versorgt und umso besser ist auch Kommunikation möglich. Hier werden Entscheidungen nicht allein getroffen, sondern im Team. Das ist auch für die Eltern essenziell wichtig, dass sie das Gefühl haben, hier stimmen sich alle untereinander ab – der Therapie-Bereich, der Wohn-Bereich und der Schulbereich – wir sind eine Einheit.“

Eine weitere große Herausforderung ist die Elternarbeit. Viele Eltern sind als Begleitpersonen mit hier in der Klinik. Und dann haben sie quasi erstmals die Chance, aktiv in den Schulprozess ihres Kindes eingreifen zu können, täglich und zu jeder Minute. Und die Eltern haben einfach unterschiedliche Vorstellung, was Klinikschule bedeutet. Natürlich klingen 90 Minuten Schule pro Tag zunächst nicht viel und sie sehen zunächst nur den riesigen Berg an Aufgaben, den die Lehrer aufgegeben haben. Aber die Eltern merken meist sehr schnell, was die Kinder in dieser Zeit schaffen. Das ist in der Regel nicht weniger als Zuhause. Wir haben ganz wenige Patienten, die nach der Reha nach Hause fahren und nicht das geschafft haben, was der Lehrer vorgegeben hat. Außerdem halten wir mit den Lehrern nach der Reha noch einmal Rücksprache und klären alle wichtigen Fragen. Wenn der Schüler dann in seiner Schule die entsprechende Förderung erhält, kann er ohne Probleme im Schulalltag wieder mithalten.

Zum Teil haben wir hier auch Patienten, die vor der Reha im Schulbereich große Auffälligkeiten gezeigt haben, manchmal sogar ein halbes Jahr gar nicht mehr die Schule besucht haben. Natürlich ist das für diese Kinder und Jugendlichen zunächst erst mal eine riesige Katastrophe hier nun plötzlich wieder jeden Tag in die Schule gehen zu müssen. Und hier ist es für mich meist die Hauptherausforderung, zwischen den Lehrern und den Schülern zu vermitteln.

Ich habe erst kürzlich eine sehr schöne Geschichte mit einer Patientin erlebt. Laut Aussage der Schulleitung und der Schulamts-Leitung in der Heimat durfte die Patientin nach der Reha definitiv nicht wieder in die gleiche Klasse, eventuell sogar nicht mehr in ihre Schule zurückkehren. Unsere Chefärztin sagte jedoch, es wäre essenziell, dass uns das dennoch gelingt. Daraufhin ist es mir durch lange Telefonate und viele Gespräche dennoch gelungen, die Schülerin an ihrer alten Schule, in ihrer alten Klasse in ein perfektes Umfeld zurückzubringen. Ich habe kürzlich die Rückmeldung erhalten, dass die Patientin nun schon seit einem halben Jahr, ohne Fehlzeiten in ihre Schule geht. Und diese Rückmeldung über den erzielten Erfolg macht meine Arbeit besonders.“

 

Was mögen Sie darüber hinaus noch an Ihrer Arbeit in Charlottenhall?

Florian Fuckel: „Ich mag besonders die Atmosphäre im Haus – es ist eine Wohlfühl-Atmosphäre. Das spielt für mich eine große Rolle. Entsprechend sind viele Mitarbeiter auch schon sehr lange hier. Man weiß, wer die Ansprechpartner sind, man hat kurze Dienstwege, kann sich jederzeit Rückmeldungen holen. Selbst den Geschäftsführer oder die Chefärztin kann man jederzeit anrufen, wenn man eine Frage hat. Haben sie Zeit, hören sie zu und besprechen das Problem mit mir. Es gibt hier einen sehr kollegialen Umgang mit allen Kollegen. Ich mache gelegentlich am Wochenende ein paar Erzieherdienste, als Unterstützung und weil mir die Arbeit in der Wohngruppe noch immer am Herzen liegt.“