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Unterrichtsanspruch für Kinder und Jugendliche während Rehabilitationsmaßnahmen in Thüringen

 

Etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Schulalter leben mit einer chronischen Krankheit.

Dank guter medizinischer Versorgung können die meisten von ihnen sich wie gesunde Gleichaltrige entwickeln. Doch müssen sie ihre Krankheit und therapeutische Maßnahmen, die manchmal sehr aufwändig sind, dauerhaft in ihren Alltag integrieren.

Um ihren Bildungsanspruch wahrnehmen zu können, sind sie darauf angewiesen, dass sie von fachlich und persönlich geeigneten Lehrern begleitet und beraten werden. Immer wieder wird es Phasen geben, in denen sie ihre Heimatschule nicht besuchen können. Hierfür ist es notwendig, dass sie in der Klinik oder im Hausunterricht verlässliche Strukturen vorfinden, die ihnen ein möglichst nahtloses Weiterlernen ermöglichen.

Das Recht auf Bildung für die Zeit, in der erkrankte Schüler ihre Heimatschule nicht besuchen können, ist in Thüringen im Schulgesetz, § 54 geregelt.

§ 54

Unterricht im Krankheitsfall

(1)

Schulpflichtige, die sich sechs Wochen und länger oder wiederholt in medizinischen Einrichtungen aufhalten und deshalb nicht am Unterricht in der Schule teilnehmen, sollen Grundlagenunterricht erhalten. Wurde Grundlagenunterricht eingerichtet, so können hieran alle Schulpflichtigen teilnehmen, die sich in der medizinischen Einrichtung aufhalten.

(2) Schulpflichtige, die wegen Erkrankung sechs Wochen und länger die Schule nicht besuchen können und sich in häuslicher Pflege befinden, können Hausunterricht in den Grundlagenfächern erhalten. 

(3) Der Grundlagenunterricht umfasst den Unterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik sowie in der ersten Fremdsprache. Ab der Klassenstufe 9 kann die Fächerauswahl um solche Fächer erweitert werden, die zur Erreichung des Schulabschlusses für die Schüler unentbehrlich sind. 

(4) Beginn und Umfang des Unterrichts wird bestimmt durch die Entscheidung der Ärzte über die Belastbarkeit des Schulpflichtigen und die Erfordernisse des Betriebes der medizinischen Einrichtung.

(5) Für diesen Unterricht werden je nach Schulart und Klassenstufe Fachlehrer eingesetzt.  

Im Gegensatz zu den meisten Bundesländern gibt es in Thüringen keine staatlichen Schulen für Kranke, bzw. keine genaue Handlungsanweisung für die Beschulung von Kranken.

Daraus ergibt sich, nach Meinung der Klinik Charlottenhall,  eine Vielzahl von Problemen:

  • Regionale Entscheidungsträger entscheiden sehr unterschiedlich bzw. ablehnend
  • stundenweise abgeordnete Lehrkräfte, deren Aufgaben in den Stammschulen meist Vorrang haben,
  • ungeklärte Finanzierung für Lehr- und Unterrichtsmittel,
  • Fehlen der Schulleiterebene,
  • Keine Ressourcen für Beratung und Begleitung betroffener Schüler und ihrer Lehrer, kein Überleitungsmanagement 
  • keine Möglichkeit für prä- und poststationäre Beschulung bzw. Hausunterricht
  • fehlende Finanzierung für Schüler aus anderen Bundesländern, Thüringer Schüler werden in anderen BL kostenfrei beschult, in Thüringen nicht, laut §54 müssen Schüler aus anderen BL nicht beschult werden, die Klinikschule müsste dann alle nicht Thüringer Schüler ablehnen à Kliniken übernehmen momentan die Kosten 
  • fehlende Finanzierungsmodelle für Lehrkräfte welche von den Kliniken finanziert werden.

 

Wir sind besorgt und fürchten, dass die Rechte erkrankter Schüler auf Bildung, Beratung zu ihrer Schullaufbahn und Inklusion nicht ausreichend berücksichtigt werden und möchten darauf mit Nachdruck aufmerksam machen.

Um darauf Aufmerksam zu machen hat der Leiter der Klinikschule, Herr Fuckel, Herrn  Michael Klostermann und Herrn Maik Klotzbach von der Partei SPD eingeladen.

Beide Politiker nahmen die Einladung am 08.08.2017 war. Herr Klostermann und Herr Klotzbach besichtigten die Klinikschule und erkundigten sich im Gespräch mit Herrn Schmitz (Geschäftsführer Charlottenhall) und Herrn Fuckel über die momentane Beschulungssituation in der Klinikschule.