Indikation

Diagnostik

Adipositas

Mit Adipositas, Übergewicht, sind in unserer Gesellschaft viele Überzeugungen und Bewertungen verbunden. Adipositas gilt als Risikofaktor für bestimmte Erkrankungen, z.B. des Herz-Kreislaufsystems, des Bewegungsapparates oder des endokrinen Systems. Dabei mischen sich Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen, gesellschaftlicher Werte und individuelles Erleben in Deutung und Einschätzung der Adipositas.

Wir können davon ausgehen, dass jedes adipöse Kind, das zu uns kommt, jeder adipöse Jugendliche, bereits eine Vielzahl an Erfahrungen gemacht hat mit Aussagen zur Adipositas, mit Appellen und Bewertungen…
Es überwiegt bei Adipösen die Einstellung, lieber normalgewichtig als übergewichtig zu sein, die konsequente Umwandlung dieser Einstellung in ein angemessenes Verhalten bei der Ernährung und/oder Bewegung gelingt aber nur wenigen…

Eine wichtige Aufgabe der Rehabilitation ist die Klärung der Ausprägung relevanter Persönlichkeitseigenschaften und die gemeinsame Erarbeitung von angemessenen Therapiezielen für den Patienten. Der Therapeut sollte den Patienten verstehen und der Patient sollte sich selbst verstehen und für seine Adipositas bedeutsame Zusammenhänge erkennen, also ein geeignetes Krankheitsmodell von seiner Beeinträchtigung entwickeln.
Danach gilt es, Wege zu suchen, um Motivation, Anstrengungsbereitschaft, Selbstwirksamkeits- und Kontrollüberzeugung des Patienten zu fördern. Nur wenn der Patient für sich einen Gewinn aus seiner Verhaltensänderung ziehen kann, wird er langfristig erfolgreich sein.

Therapie


Therapieverlauf

Der adipöse Patient erhält während seiner Rehabilitation folgende Untersuchungen und Behandlungen:

  • Ärztliche Untersuchungen
  • Blutdruckkontrolle durch Krankenschwestern
  • Gewichtskontrolle durch Krankenschwestern
  • Fragebogen mit anamnestischen Fragen und Fragen zur Ausprägung von Selbst-wirksamkeitserleben und Kontrollerleben
  • Besprechung des Fragebogens in einem Einzelgespräch mit dem Psychologen
  • Reduktionskost (1200 bis 1400 kcal./Tag) mit Übungen zum genussvollen Essen
  • Ernährungsberatung durch die Diätassistentin
  • Lehrkochen mit der Diätköchin
  • Adipositassport mit Physio- oder Sporttherapeutin
  • Verhaltenstherapeutische Gruppengespräche mit Psychologen
  • Elterngespräche mit Ärzten, Psychologen und/oder Pädagogen
  • Bei Vorliegen zusätzlicher Indikationen neben der Adipositas werden entsprechende Behandlungen individuell abgestimmt

Medizin

Grobabriss (individuell verschieden):

  • am Tag nach der Anreise medizinische Anfangsuntersuchung, erstmaliges Erheben des klinischen Status des Patienten (u.A. Körpergewicht, Körpergröße, evtl. Ultraschall, EKG, Lungenfunktionstests, Labor...)
  • zweimal pro Woche Gewichts- und Blutdruckkontrolle
  • wöchentliche ärztliche Visiten zur Verlaufskontrolle und Therapieanpassung
  • zwei Tage vor Entlassung ärztliche Entlassungsuntersuchung

Die Rehabilitation


Zu Beginn der Rehabilitation der Adipositas

  • Kinder, derentwegen ein Rehabilitationsverfahren einer Adipositas angestrebt wird, sollten das 8. Lebensjahr vollendet haben, weil die Arbeit mit dem Patienten Verständnis und Reflexionsfähigkeit erfordert.
  • Bis zum 8. Geburtstag des Kindes, unter bestimmten Umständen auch darüber hinaus, findet die Reha mit einer Begleitperson (z.B. Mutter oder Vater) statt.
  • Vor einer stationären Reha sollten organische Ursachen für die Adipositas wie endokrine behandlungsbedürftige Erkrankungen ausgeschlossen sein.
  • Eine minimale Therapiedauer von sechs Wochen sollte bei der stationären Behandlung juveniler Adipositas nicht unterschritten werden (das sollten die Eltern und die Patienten bei ihren Planungen berücksichtigen).
  • Vorstellungen und Erwartungen der Patienten über den zukünftigen Rehabilitationsaufenthalt sollten im Vorfeld besprochen werden (Rehabilitation ist auch Anstrengung für den Patienten).
  • Der behandelnde Arzt des Kindes oder Jugendlichen stellt in Absprache mit den Eltern und dem Kind den Antrag auf Rehabilitation, entweder über den Rentenversicherungsträger oder über die Krankenkasse, die dann eine geeignete Rehabilitationseinrichtung vorschlägt (auswählt).
  • Bei Entscheidung für die Kinderklinik Charlottenhall werden Ihnen alle notwendigen Unterlagen und Informationen durch uns zugeschickt.

Erfolgreiche Rehabilitation der Adipositas

  • Weniger Energie zu sich nehmen, als durch Bewegung verbraucht wird, durch attraktive aber energiereduzierte Mahlzeiten
  • Regelmäßige, häufige und intensive Bewegung unter Beachtung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten (Bewegung fördert den Energieverbrauch und hilft zusätzlich zu einer Diät oder Reduktionskost, einen Abbau von Muskelgewebe zu verhindern)
  • Erkennen und Behandeln von physiologischen Störungen, die als Folge oder Ursache des Übergewichts in Frage kommen
  • Psychologische Belastungen oder Störungen, die als Ursache oder Folge des Übergewichtes in Frage kommen, erkennen und behandeln (manchmal kann es auch vielversprechender sein, die psychologische Erkrankung zuerst zu behandeln oder für eine Weiterbehandlung nach Abschluss der Rehabilitation zu sorgen)
  • Wir bieten angemessene Foren, in denen die Patienten in Gruppen mit anderen Betroffenen für sie relevante Problembereiche ihrer Adipositas ansprechen und Lösungswege erarbeiten können (auch Informationen über Ernährung, Bewegung usw.)
  • Adipöse Kinder und Jugendliche sollten in der Rehabilitation nicht überfordert werden
  • Auch in der Freizeit soll ein möglichst entspanntes und fröhliches, abwechslungsreiches Klima die Rehabilitation unterstützen und für den Patienten erleichtern

Berechnung des Body-Mass-Index (BMI)
mybmi.de Body-Mass-Index für deutsche Kinder und Jugendliche